Meine Weltmeisterschaft im Rally Obedience 2026 in Aarhus
Am Mittwoch ging es für uns endlich los Richtung Aarhus in Dänemark.
Die Vorfreude war riesig, denn vor uns lagen vier aufregende Tage bei der Rally-Obedience-Weltmeisterschaft 2026.
Bereits am Donnerstag stand das Teamtraining in der Halle auf dem Programm. Für die Hunde war das eine tolle Gelegenheit, sich schon einmal mit der ungewohnten Umgebung,
dem Boden und der Atmosphäre vertraut zu machen. Anschließend folgte der Tierarztcheck.
Danach wurden die Startnummern für die beiden folgenden Turniertage gezogen. Key bekam die Startnummer 13 und Cloverleaf die Nummer 27. Mit meiner Ziehung war ich sehr zufrieden, denn dadurch hatte ich zwischen den Starts ausreichend Abstand und konnte mich jeweils in Ruhe auf den nächsten Lauf vorbereiten.
Anschließend schmückten wir noch schnell unseren Mannschaftstisch, bevor es hieß: ausruhen und Kraft tanken für den ersten großen Turniertag.
Freitag – der erste Turniertag
Am Freitag begann die Weltmeisterschaft mit der feierlichen Eröffnungszeremonie. Danach wurden die beiden Parcours aufgebaut. Parcours 1 wurde von Sandra Vonderstein gestellt, Parcours 2 von Vilemina Kradcikova (Tschechien).
Auf den ersten Blick sahen beide Parcours machbar aus. Für mich war es ein großer Vorteil, dass ich am Samstag mit beiden Hunden in Parcours 2 starten durfte. So konnte ich mich pro Tag auf nur einen Parcours konzentrieren und musste mich nicht auf zwei unterschiedliche Parcours einstellen.
Nach dem Durchlauf des weißen Hundes ging es mit der Parcoursbegehung los. Danach folgten die ersten Starts. In dieser Zeit war meine Anspannung und Nervosität am größten. Zuerst hatten Key und ich unseren Start. Key war Teil des deutschen Teams, sodass ihr Ergebnis auch in die Mannschaftswertung einging.
Ich war mit unserem Lauf eigentlich sehr zufrieden. Key war trotz meiner Aufregung konzentriert und motiviert. Leider passierten uns zwei teure Fehler. Da merkte man dann doch, dass sie meine Nervosität nicht ganz auffangen konnte und selbst etwas übermotiviert war. Am Ende standen 79 Punkte auf unserer Ergebnisliste. Diese Punktzahl spiegelte für mich
allerdings keinesfalls das Gefühl wider, das ich während unseres Laufes hatte. Ich wusste, dass deutlich mehr möglich gewesen wäre.
Danach war ich noch mit Cloverleaf am Start. Sie war die erste Reserverstarterin für Deutschland. Ihre Punkte zählten daher nicht für die Mannschaftswertung und wir starteten quasi nur für die Einzelwertung.
Cloverleaf war deutlich aufgeregter als Key. Im Vorraum schlug das Tor durch den Wind immer wieder gegen die Wand. Die lauten Knallgeräusche hatten sie bereits etwas irritiert. Dieses Gefühl nahm sie leider ein Stück weit mit in den Parcours.
Auch bei ihr passierte ein teurer Fehler, dazu kamen mehrere kleinere Fehlerchen. Am Ende blieben in der Kombinationswertung der beiden Richterinnen 81 Punkte.
Die Läufe am Freitag zogen sich bis spät in den Abend. Danach hieß es für uns erst einmal: abschalten, erholen und den Kopf für den nächsten Tag freibekommen.
Samstag – der zweite Turniertag
Am Samstag wurde in umgekehrter Reihenfolge gestartet. Wir waren in Ring 1. Ich ging deutlich entspannter in diesen Wettkampftag. Das Wissen, dass wir das Finale nicht mehr erreichen konnten, war für mich tatsächlich ein kleiner Gamechanger. Der Druck war plötzlich weg. Ich konnte einfach laufen und den Moment genießen.
Und genau das zeigte sich auch in unseren Ergebnissen. Key erreichte an diesem Tag 90,5 Punkte (leider hatten wir kurz ein kleines Missverständnis an der Pylone) und Cloverleaf lief fantastische 97 Punkte! Wow – beide Mädels haben noch einmal alles gegeben. Ich war unglaublich stolz auf sie.
Ein bisschen geärgert hat es mich natürlich trotzdem, dass uns am Freitag die teuren Flüchtigkeitsfehler passiert waren. Wenn man am Samstag solche Läufe zeigt, denkt man unweigerlich darüber nach, was möglich gewesen wäre, wenn am ersten Tag alles genauso gut funktioniert hätte.
Aber so ist Hundesport. Es gehört eben auch dazu, mit Nervosität, besonderen Situationen und Fehlern umzugehen und am Ende gehört auch immer ein bisschen Glück dazu.
Am Ende des Turniertages folgte die Siegerehrung für die Teamwertung. Für diese Wertung zählten jeweils die beiden Läufe der Teammitglieder. Mit Deutschland erreichten wir einen hervorragenden 5. Platz! Vor uns lag Dänemark auf Platz 4. Schweden wurde Mannschaftsweltmeister.
Damit war der Teamwettbewerb abgeschlossen – aber ein wichtiger Moment stand noch bevor: die Bekanntgabe der 25 Mensch-Hund-Teams, die sich für das große Finale am Sonntag qualifiziert hatten. Außerdem wurde bekannt gegeben, welcher Parcours im Finale gelaufen werden sollte. Das Los fiel auf den Parcours der dänischen Richterin, Charlotte Bogvad.
Für uns hatte es, wie erwartet, nicht für das Finale gereicht. Cloverleaf belegte Platz 31 von 100 und verpasste das Finale damit nur um wenige Plätze. Key landete ein paar Plätze hinter Cloverleaf. Natürlich wäre es schön gewesen, am Sonntag selbst im Ring zu stehen. Trotzdem konnten wir den letzten Tag nun ganz entspannt genießen und unsere drei deutschen Teams, die sich für das Finale qualifiziert hatten, kräftig anfeuern.
Sonntag – das Finale
Am Sonntag hieß es also Daumen drücken für die drei deutschen Mensch-Hund-Teams im Finale. Es war schön, das Geschehen nun einmal ohne eigenen Startdruck verfolgen zu können. Nach all der Anspannung der vergangenen Tage konnten wir die besondere Atmosphäre noch einmal ganz bewusst aufnehmen und unsere deutschen Starter unterstützen.
Zum Abschluss folgte die Siegerehrung der Einzelwertung. Auch hier ging der Weltmeistertitel nach Schweden. Ein unvergessliches Erlebnis Nach vier wundervollen, aufregenden und intensiven Tagen ging es schließlich wieder zurück nach Norddeutschland. Im Gepäck waren nicht nur die Ergebnisse, sondern vor allem ganz viele Eindrücke, Erfahrungen und Erinnerungen. Eine Weltmeisterschaft erlebt man schließlich nicht jeden Tag.
Natürlich hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle ein paar Punkte mehr gewünscht. Besonders die beiden teuren Fehler am Freitag werde ich vermutlich noch eine Weile im Kopf haben. Aber gleichzeitig bin ich unglaublich stolz auf meine beiden Mädels. Sie haben sich dieser besonderen Herausforderung gestellt, haben am zweiten Tag noch einmal alles gegeben und mir gezeigt, was in ihnen steckt. Ich durfte mit Key und Cloverleaf bei einer Weltmeisterschaft an den Start gehen. Allein das ist etwas ganz Besonderes. Diese vier Tage waren geprägt von Nervosität, Freude, Stolz, kleinen Enttäuschungen, ganz viel Teamgeist und unvergesslichen Momenten. Und eines steht fest:
Dieses wundervolle Erlebnis kann uns nun keiner mehr nehmen.
Bilder von Johanna Kirschner



